Columnaris-Krankheit


 

Die Columnaris-Krankheit, hervorgerufen durch die Bakteriengattung Flexibacter columnaris (im Englischen häufig als “Flavobacterium columnare” benannt), stellt eine sehr gefährliche Hälterungskrankheit bei Süßwasserfischen dar. Der Verlauf variiert je nach Bakterienstamm und kann mehrere Tage (bis Wochen?) dauern, meist jedoch schreitet die Infektion rasch voran – sie kann in schlimmen Fällen innerhalb von 24 Stunden zum Tode führen und ist hochansteckend.
Als besonders gefährdet gelten Lebendgebärende (Guppies, Platies, Mollies,...), weshalb die Erkrankung im amerikanischen Sprachraum auch als “Black Molly Disease” bekannt ist. Eine weitere Risikogruppe stellen in Zuchtanlagen gehaltene Welse dar – laut amerikamischer Literatur stellt Columnaris die zweithäufigste Todesursache bei Welsen in Farmhaltung dar.
In Anbetracht der beengten Lebensbedingungen eines Biotopes wie dem Aquarium sind natürlich alle darin gehaltenen Zier- und Nutzfische potentielle Opfer dieser bakteriellen Erkrankung, die auch “Maulschimmel” genannt wird.

Laut http://www.cichlid-forum.com/articles/columnaris_disease.php wurden in einer Untersuchung 4 Bakterienstämme isoliert, deren Hauptwirkunsbereiche jeweils etwas variierten:

  • Stamm 1/ AJS1: wurde geschädigten Hautpartien entnommen und ist hochansteckend – führt sehr rasch zum Tod (meist binnen eines Tages, genannt wurden sogar 10 Stunden bis zum Tod)
  • Stamm 2/ AJS2: wurde Fischen mit flossenfäuleartiger Symptomatik und verblasster Färbung entnommen – hat einen eher chronischen Verlauf über mehrere Tage hinweg.
  • Stamm 3/ AJS3: wurde mit typischer “Maulschimmel”-Symptomatik und Glotzaugenbildung entnommen – hier war die Mortalitätsrate im Vergleich nicht so hoch wie bei den ersten beiden isolierten Bakterienstämmen.
  • Stamm 4/AJS4: wurde stark verblassten Fischen mit leichteren Haut- und Flossenschäden entnommen (v.a. im Dorsalbereich) – hier wurde keine signifikante Mortalitätsrate festgestellt, d.h. der Tod tritt wahrscheinlich erst spät ein.

Zum Verlauf der Erkrankung ist auf der zitierten Seite zu lesen: Anfänglich bilden sich an der infizierten Stelle leichte Schwellungenn, die sich zu weißen/verblassten Belägen und Wucherungen entwickeln. Bei den hochvirulenten Stämmen kommt es beim Fortschreiten der Krankheit (aufgrund von Kiemenschädigungen) dazu, daß die Fische verstärkt an der Wasseroberfläche schwimmen und schließlich zu Schwimmkoordinationsstörungen bis hin zu Apathie und Bewegungsunfähigkeit.
In jenen Becken, in denen Todesfälle beobachet wurden, variierte die Dauer bis zum Tod zwischen 8 Stunden und 6 Tagen.
Einige Columnaris-Stämme können in den Blutkreislauf vordringen und Septikämie hervorrufen, außerdem kann es zum Befall der inneren Organe kommen.


 


(Original siehe: http://www.aquamax.de/HG04UG01.htm)


 

Leitsymptome:


 

  • weiße Beläge im Kopf- und vorderen Rückenbereich, weiße Lippen, weißgesäumte Schuppen, weiße nekrotische Gewebestellen (teilweise rot umrandet), Flossenschädigungen (ähnlich Flossenfäule)
  • gelbliche Beläge (können bis ins bräunliche reichen), watteartige Auflagerungen (sekundärer Pilzbefall)
  • desweiteren Störungen im Schwimmverhalten (taumeln, usw.), Apathie (träges Herumhängen am Boden), Flossenklemmen, verstärkte Hautschleimbildung, Geschwulstbildung v.a. im Maulbereich, Farbveränderungen (Verblassen), Appetitlosigkeit
  • Glotzaugen, Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe, Kiemenschädigung (die u.a. zu Atemnot führen kann), im fortgeschrittenen Stadium Organschäden


 

Häufig kommt es zu Mischinfektionen mit Bakterien der Gattung Aeromonas oder zu sekundären Verpilzungen, was das Erscheinungsbild der Erkrankung mitunter verzerrt. Fische, die starkem Stress oder Vorerkrankungen (z.B. eine latente Tuberkuloseinfektion) ausgesetzt sind, haben nur geringe Chancen, dem Erreger Widerstand zu leisten.


 

Hier einige typische Erscheinungsbilder:


 

Weitere Fotos (v.a. zur Geschwulstbildung an den Lippen) finden sich unter dieser Diaschau:
http://www.aquamaniacs.net/flexslideshow.html


 

Ursachen und Risikofaktoren:


 

Vorweg: Die Bakterien der Gattung Flexibacter columnaris können in fast jedem Aquarium zuhause sein, wobei es bei guter Hälterungsqualität und abwechslungsreicher Kost zu keinem Krankheitsausbruch kommt, solange die Milieubedingungen passen.
Als größter Risikofaktor ist eine zu hohe Besatzdichte zu nennen, außerdem mangelhafte Wasserhygiene (zu wenige bzw. zu geringe Wasserwechsel und unzureichende Filterung), erhöhter Nitritwert, alkalisches Wasser und niedriger Sauerstoffgehalt des Wassers. Auch zu hohe Hälterungstemperaturen können einen Krankheitsausbruch fördern, da das Temperaturoptimum des Erregers bei 28–30°C (laut amerik. Quellen 25–30°C) liegt.
Da der Erreger weltweit mit Antitiotika bekämpft wurde (vgl. http://www.aquamax.de/HG04.htm), kam es zu Resistenzbildung, sodaß Fexibacter Columnaris inzwischen gegen die viele Antibiotika weitgehend behandlungsresistent wurde. Insofern konnte sich Columnaris ungehindert in Aquarien und Zuchtanlagen verbreiten.
B. Kaufmann schreibt:
«Die Ursachen für die Massenvermehrung von Myxobakterien wie F. columnaris sind relativ einfach zu beschreiben. Die Nummer 1 der Ursachen für Infektionen ist die Hälterung zu vieler Fische auf zu engem Raum. Da die meisten Lebendgebärenden importiert werden, haben sie vom Züchter bis zum Aquarianer oft bis zu 5 Hälterungsbecken und ebenso viele Transportwege in Plastiktüten zu überstehen. "
(http://www.aquamax.de/HG04UG02.htm)


 

Vorbeugung und Behandlung:


 

Vorbeugende Maßnahmen:


 

  • geringe Besatzdichte
  • großzügige, regelmäßige Teilwasserwechsel, sowie adäquate Filterung
  • gute Belüftung des Beckens (z.B. Filterauslauf nahe an der Wasseroberfläche)
  • Quarantänemaßnahmen für Neuzugänge sind dringend anzuraten- falls die neuen Fische aus aufgesalzenen Becken stammen, dann das Quarantänebecken leicht aufsalzen (2 gestrichene Teelöffel unjodiertes Salz je 10 Liter) und infolge den Salzgehalt zunehmend reduzieren.
  • überhöhte Hälterungtemperaturen vermeiden
  • keine Tiere aus sichtbar befallenen oder medikamentierten Becken kaufen
  • nach dem Kauf langsame Eingewöhnung an die neuen Wasserbedingungen im heimischen Becken
  • abwechslungsreiche und artgerechte Kost
  • eventuell Erlenzäpfchen oder Seemandelbaumblätter zugeben, da diese leicht bakterizid wirken


 

Behandlungsvorschläge:


 

Zur Senkung der Keimdichte empfiehlt es sich sofort einen großzügigen Wasserwechsel (70–80%) zu machen. Am besten führt man diesen mit abgestandenem, einigermaßen temperiertem Wasser durch.
während der gesamten Behandlungsphase sollten großzügige und umfangreiche Wasserwechsel erfolgen – bitte keine Filterreinigung durchführen.
Falls es die Fische vertragen, kann ein alkalischer pH-Wert schrittweise unter 7 abgesenkt werden.


 

Der Einsatz eines UV-Klärers könnte hilfreich sein, da er die frei im Wasser befindlichen Erreger abtötet, jedoch den Fischen keinen Schaden zufügt. Näheres zum Einsatz eines UV-Klärers, wie er auch zur Ichtyo-Bekämpfung eingesetzt wird, ist hier nachzulesen: http://www.aquamax.de/HG03UG03.htm


 

Auch die Separierung erkrankter Fische in ein Quarantänebecken reduziert die Anzahl der freigesetzten Erreger im Stammbecken – zur Not eignet sich dafür auch eine große Plastikwanne, die zur Belüftung mit Membranpumpe und Sprudelstein ausgestattet ist.
Ich persönlich erachte Quarantänemaßnahmen als wichtigsten Punkt, wenn die Krankheit bislang nur einige wenige Individuen betrifft.
Bitte keine Temperaturerhöhung durchführen!
Bei Fischen, die eine Salzzugabe vertragen, kann unterstützend eine Wasseraufsalzung erfolgen. Ich würde 2–3 gestrichene Teelöffel unjodiertes Salz je 10 Liter empfehlen um die geschädigten Kiemen zu schonen, auch wenn in verschiedenen Quellen auch höhere Dosierungen vorgeschlagen werden.
Höhere Salzkonzentrationen (2–3%, entspricht ca. 1 gestr.Teelöffel je Liter) sollten nur als Kurzbäder (max. 15 Minuten) angewendet werden.


 

Medikamentöse Schritte:


 

Da Columnaris gegen viele Antibiotika resistent ist, empfiehlt sich eine Antibiotika-Behandlung nur in Absprache mit einem fachkundigen Tierarzt. Evtl ist die Erstellung eines Antibiogramms notwendig. Als einigermaßen wirksam hat sich z.B. Kanamycin erwiesen – ein Wirkstoff, der auch in der Humanmedizin zur Tuberkulosebehandlung angewendet wird.
In einigen Quellen werden die Sulfonamide Baktrim, Baktrim forte oder Osmon forte als wirksame Mittel genannt und empfohlen. Diese Präparate sind verschreibungspflichtig und ihre Verabreichung sollte, ebenso wie bei Antibiotikagaben, mit einem fischkundigen Tierarzt abgesprochen werden.
Anlaufstellen finden sich hier:
http://zierfischforum.at/wiki/Fischuntersuchungsstellen?v=7e1


 

Die einzige medikamentöse Behandlungsform mit einem frei erhältlichen Mittel, die ich persönlich für sinnvoll und einigermaßen hilfreich erachte, ist die Behandlung mit einem nifurpirinolhältigen Präparat (z.B. Sera Baktopur DIRECT, Aquafuran, JBL Furanol...)
Diese Behandlung sollte ausschließlich im Quarantänebecken erfolgen, da Nifurpirinol die Filterbakterien schädigt und somit erst recht zur Verschlechterung der Wasserqualität beiträgt, was wiederum Neu- und Folgeinfektionen begünstigen könnte.
Zusätzlich zur medikamentösen Therapie, sollte auf gute Belüftung mittels Membranpumpe o.ä. geachtet werden, um den Fischen, deren Kiemen ja meist beeinträchtigt sind, die Atmung zu erleichtern.


 

Andere frei erhältliche, bakterizide (Breitband-) Mittel sind erfahrungsgemäß meist eher wirkungslos bzw. bekämpfen oft nur Sekundärinfektionen. Auch die Anwendung fungizider Präparate hilft in erster Linie nur gegen sekundäre Verpilzung.


 

Ein Erfahrungsbericht über den Einsatz eines Antibiotikums im Stammbecken:
http://www.zierfischforum.at/viewtopic.php?p=154242#154242
Manche Pflanzen vertragen medikamentöse Behandlungen nicht – ein weiterer Grund um diese nach Möglichkeit im Quarantänebecken durchzuführen.


 

Das Töten eines erkrankten Fisches:


 

Man muß sich vor Augen halten, daß Columnaris eine sehr ernstzunehmende Erkrankung mit tödlichem Verlauf darstellt. Und insofern sollte man auch den Tod einkalkulieren. Es gibt bei Columnaris-Behandlungen keinerlei Erfolgsgarantie – zu verschieden verhalten sich die unterschiedlichen Bakterienstämme, zu unterschiedlich sind die Vorschädigungen, die ein Fisch mit sich bringt und zu unterschiedlich sind die Aquarienbedingungen.
Wenn ein Fisch sichtlich schwer erkrankt ist, sollte man abwägen, ob man ihn nicht lieber von seinem Leiden erlöst.
Wenn man sich zum töten eines Fisches entschließt, empfiehlt sich die sogenannte «Nelkenölmethode«:


 

Nelkenöl, eigentlich ein Narkotikum für Fische, führt in Überdosierung zu Herzstillstand. Man muß nur die richtige Dosierung nehmen, denn gibt man zuwenig ist der Fisch lediglich narkotisiert, und gibt man zuviel, so verfällt der Fisch in Panik.
Empfehlenswert ist eine Dosierung von 0,5ml Nelkenöl pro Liter.
Man bereitet sich ein Wassergefäß mit 1 Liter Aquarienwasser (bei großen Fischen 2 Liter) vor. Dann zieht man mit einer Einwegspritze 0,5ml Nelkenöl auf, zusätzlich noch ein wenig Wasser und Luft – nun schüttelt man die Spritze kräftig bis eine milchig-trübe Emulsion entsteht (Nelkenöl löst sich nämlich eher schwer in Wasser).
Falls man keine Einwegspritze hat kann man die Emulsion auch mit einem Mixaufsatz aus der Küche erzeugen. Etwas Wasser hineingeben, das Nelkenöl dazu und etwa 30 Sekunden mixen.
Die Emulsion rührt man dann dem Wassergefäß unter, dann setzt man den kranken Fisch hinein.
Bereits nach kürzester Zeit kippt der Fisch in Seitenlage und zeigt starke Betäubungserscheinungen. Nach etwa zehn Minuten sind meist keine Kiemenbewegungen mehr vorhanden, aber man läßt den Fisch sicherheitshalber noch etwa eine dreiviertel Stunde in dem Nelkenöl-Bad. (Spätestens nach einer halben Stunde sollte das Tier tot sein.)
Wer auf Nummer-Sicher gehen möchte, kann nach einiger Zeit nochmal diesselbe Dosierung zugeben oder einen Genickschnitt setzen.
(http://www.zierfischforum.at/ftopic4120-0-asc-0.html)


 

Linkliste:


 

http://www.aquamax.de/HG04.htm
http://www.zierfischforum.at/nratgeber6-2.html
http://www.drta-archiv.de/Krankheiten/weissmaulk.shtml
http://www.biotopforum.at/archive/o_t__t_3865__columnaris-bakterielle-infektion.html


 

englischsprachige Seiten – sehr umfangreich:
http://www.cichlid-forum.com/articles/columnaris_disease.php
http://www.aquamaniacs.net/forum/cms_view_article.php?aid=28
http://www.flippersandfins.net/flexibacter.htm
http://www.aquamaniacs.net/flexslideshow.html


 

Autorin: Irene Labner
irene.labner1@chello.at
(Falls Kritik oder Anregungen zum vorliegenden Text bestehen, dann bitte ich um eine Anschrift per Mail)