Kropfbildung bei Zierfischen                                                                                           


 

Gelegentlich kann es auch bei Aquarienfischen zu Kropfbildung kommen, d.h. es bildet sich eine Schilddrüsenwucherung, deren Ausprägung entweder gutartig oder bösartig sein kann

Hier ein Schwielenwels mit unter den Kiemen hervorgetretener Schilddrüsenwucherung:
 Foto eines Ziffomitgliedes.

Im folgenden soll ein überblicksartiger Bericht verschiedener Fachbuchautoren dargelegt werden:

Dr. Untergasser schreibt in seinem überarbeiteten Buch “Krankheiten der Aquarienfische” (2006, S.149), daß Schilddrüsenwucherungen meist erst festgestellt werden können, wenn es zu einer Verdickung am Maulboden oder dem abspreizen eines Kiemendeckels kommt.
Eine derartige Kropfbildung wird nicht selten durch Jodmangel hervorgerufen. In solchen Fällen kann man unter Umständen eine Heilung durch Zugabe von Jod erzielen. Zur Therapie leichterer Fälle empfiehlt er jodhaltiges Futter, weiters kann man auch Jod dem Wasser zusetzen. Dazu läßt man sich am besten in der Apotheke eine Stammlösung ansetzen:
0,5g Jod und 5g Kaliumjodid auf 100 ml destilliertes Wasser.
Von dieser Stammlösung fügt man mittels Pipette 1 Tropfen je 5 Liter oder genauer gesagt 1 ml auf 50 Liter Wasser zu. Bei jedem Teilwasserwechsel muß eine der gewechselten Wassermenge entsprechende Dosis nachdosiert werden. Besserung sollte dann binnen 2–4 Wochen zu sehen sein.
Wenn dadurch keine Verbesserung eintritt, liegt vermutlich eine bösartige Geschwulst (Schilddrüsenkarzinom) vor, die nicht selten zur Metastasenbildung führt.

Dr. Bauer erwähnt in seinem Werk “Erkrankungen der Aquarienfische” (1991, S.27f) ebenfalls durch Jodmangel hervorgerufene Schilddrüsenwucherungen. Er meint, daß Jodmangel meist im Zusammenwirken von unzureichender Ernährung und genetischer Veranlagung zu Kropfbildung führt.
Dabei drückt die stark vergrößerte Schilddrüse die Kiemen und die Kiemendeckel auseinander und kann in Extremfällen sogar unter dem Kiemendeckel hervorquellen. Da durch die Beeinträchtigung der Schilddrüse auch der Hormonhaushalt (v.a. Thyroxin) beeinflußt wird, können auch Funktionsstörungen in anderen Organen die Folge sein.
Im Gegensatz zu parasitär hervorgerufenen Wucherungen ist die Kropfbildung nicht ansteckend, aber die Veranlagung dazu kann weiter vererbt werden, weshalb Individuen mit Schilddrüsenveränderungen von der Zucht auszuschließen sind.
Wird nichts unternommen um den Jodmangel zu beheben, endet diese Erkrankung mit dem Tode.
Zur Behandlung empfiehlt er folgendes:
Stammlösung mit 1g Jod und 100g Kaliumjodid auf 1 liter (destilliertes) Wasser
Von dieser Stammlösung setzt man dem Behandlungsbecken wöchentlich 0,5 ml je 1 Liter zu.
Wenn nach einigen Wochen keine Besserung eintritt, empfiehlt er die betroffenen Tiere zu töten (dann liegt sehr wahrscheinlich eine bösartige Wucherung vor).
Als Prophylaxe sollte man kein Jod einsetzen, man sollte lediglich auf abwechslungsreiche Ernährung achten.
Er erwähnt, daß Schilddrüsengeschwulste sehr leicht zu verwechseln sind mit Tumoren der Schleimhaut, der Knorpel, Knochen oder der Kiemen.

In dem Buch “Gesund wie der Fisch im Wasser” (Frickhinger/ter Höfte/ Arendt, 1992, S.114) kann man nachlesen, daß permanenter Jodmangel Auslöser für Schilddrüsenerkrankungen sein kann, für die besonders eierlegende und lebendgebärende Zahnkarpfen sehr anfällig sind. Zur Vorbeugung werden Futtermittel mit Jod empfohlen.

Der Sera-Ratgeber “Gesunde Zierfische – wie?”, zu dessen Erstellung Dr. Untergasser grundlegend beigetragen hat, hält auf S.44 ein Foto eines Cichliden mit einer Schilddrüsengeschwulst bereit. Man sieht dort eine halbseitige Schwarzfärung des Kopfes, da durch die Geschwulst ein farbsteuernder Nerv gequetscht wurde. Um dem durch Jodmangel entstandenen Kropf entgegen zu wirken, werden jodhältige Futtermittel, sowie Mineralsalz (gegen sehr weiches Wasser)empfohlen.
Dasselbe Bild findet sich im übrigen in oben zitiertem Buch von Dr. Untergaser auf S.20. – auf S.72 notiert er: «Wird der farbsteuernde Nerv eines Körperteils gequetscht oder abgeklemmt, dann tritt an dem betreffenden Körperteil die schwarze Farbe sehr intensiv hervor.»